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Zerfall der Sowjetunion
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Der Zerfall der Sowjetunion war ein mehrjĂ€hriger Prozess der Desintegration der föderalen Strukturen und des AutoritĂ€tsverlusts der Zentralgewalt in der UdSSR. Deren Zerfall in fĂŒnfzehn unabhĂ€ngige Staaten begann mit der UnabhĂ€ngigkeitserklĂ€rung Litauens am 11. MĂ€rz 1990, beschleunigte sich nach dem gescheiterten Augustputsch in Moskau 1991 und endete am 8. Dezember 1991 mit den Belowescher Vereinbarungen zwischen den PrĂ€sidenten von Russland, der Ukraine und Belarus Boris Jelzin, Leonid Krawtschuk und Stanislau Schuschkewitsch. In den Belowescher Vereinbarungen wurde festgestellt, dass âdie UdSSR als völkerrechtliches Subjekt sowie als geopolitische RealitĂ€t [âŠ] ihre Existenz beendetâ habe. Zugleich wurde der Vertrag zur Schaffung der UdSSR von 1922 auĂer Kraft gesetzt und die Gemeinschaft UnabhĂ€ngiger Staaten gegrĂŒndet. Dieser Beschluss wurde am 21. Dezember 1991 in der ErklĂ€rung von Alma-Ata von den FĂŒhrern der ĂŒbrigen autonomen Republiken der UdSSR mit Ausnahme der drei baltischen Staaten und Georgiens bestĂ€tigt. Nach dem RĂŒcktritt des letzten PrĂ€sidenten der UdSSR am 25. Dezember 1991 Michail Gorbatschow endete deren Existenz am 26. Dezember 1991. Die Auflösung des weltgröĂten sozialistischen Staates markierte zugleich das Ende des Kalten Krieges.
Contents
âą Bewertung
âą Westliche Welt
âą Siehe auch
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Entwicklung der UdSSR in den 1980er-Jahren
Politische und wirtschaftliche Schwierigkeiten
Zu Beginn der 1980er-Jahre war die UdSSR mit zahlreichen ungelösten Problemen konfrontiert. Die ProduktivitĂ€t der Wirtschaft war gering, die Versorgung der Bevölkerung mit KonsumgĂŒtern schlecht. Es bestand in allen Bereichen ein hoher Investitionsbedarf, fĂŒr den aber wegen der ausufernden Verteidigungsausgaben keine Mittel vorhanden waren. Bei neuen Technologien wie der Mikroelektronik, Lasertechnologie und Informatik hatte die UdSSR den Anschluss an den Westen weitgehend verpasst. In vielen Bereichen war man auf Importe angewiesen. Diese wurden zunehmend durch den Export von Rohstoffen (Erdöl, Gas) finanziert, was aber die UdSSR abhĂ€ngig von der Entwicklung des Ălpreises machte.cite-ref-2[2]
Die politische FĂŒhrung der UdSSR war weitgehend erstarrt. Das PolitbĂŒro war mit MĂ€nnern der Aufbaugeneration der UdSSR (geboren um 1910) besetzt. Ein Generationswechsel hatte nicht stattgefunden. Die Politik des âRats der Greiseâcite-ref-3[3] war in erster Linie auf die Sicherung der eigenen Machtbasis und Ruhe in den Parteikadern ausgerichtet. Zudem hatte dieser FĂŒhrungszirkel kaum noch Kontakt mit der Lebenswirklichkeit der Bevölkerung. Strikte Kommandostrukturen, Korruption und Seilschaften bestimmten die Politik in der Sowjetunion. Trotz der MissstĂ€nde gab es in der Bevölkerung aber kaum Widerstand. Oppositionelle waren weitgehend ausgeschaltet worden; die Mehrheit der Bevölkerung hatte sich mit den UmstĂ€nden abgefunden, da öffentliche Kritik ohnehin unterdrĂŒckt wurde.cite-ref-schattenberg-4-0[4] Trotzdem konnte es der Bevölkerung kaum entgehen, dass beispielsweise der Einmarsch der Sowjetunion in Afghanistan 1979 sich immer mehr zu einem Fiasko entwickelte. Die Nuklearkatastrophe im Kernkraftwerk Tschernobyl am 26. April 1986 offenbarte das in der UdSSR ĂŒbliche AusmaĂ an Verantwortungslosigkeit und Obrigkeitsdenken und wurde so zu einem Symbol fĂŒr das Versagen des kommunistischen Systems.cite-ref-5[5] Der Unmut ĂŒber diese ZustĂ€nde konnte sich allerdings erst nach den Reformen Gorbatschows entladen. Mit einem Zerfall der Sowjetunion hat bis Ende der 1980er-Jahre kaum jemand gerechnet.
Reformpolitik Gorbatschows und die Folgen
Hinsichtlich der Notwendigkeit von Reformen war das PolitbĂŒro nach dem Tod Breschnews gespalten. Erst die Wahl Michail Gorbatschows zum GeneralsekretĂ€r des Zentralkomitees der KPdSU 1985 war eine Richtungsentscheidung. Dieser leitete unverzĂŒglich Wirtschaftsreformen unter dem Schlagwort âUskorenijeâ (dt. etwa Beschleunigung) ein. Als sich keine schnellen Erfolge einstellten, beschleunigte die FĂŒhrung unter Gorbatschow das Reformtempo. Mit der Perestroika (dt.: Umbau) strebte Gorbatschow eine umfassende Modernisierung der sozialistischen Wirtschaft und Gesellschaft an. Den Betrieben wurde mehr Eigenverantwortung zugebilligt, auslĂ€ndische Beteiligungen sowie Privatbetriebe erlaubt. In Folge der teilweise ĂŒberstĂŒrzten Reformen verschĂ€rfte sich aber die Versorgungskrise fĂŒr die Bevölkerung dramatisch, die Inflation stieg und die Sowjetunion nĂ€herte sich bereits 1989 dem finanziellen Kollaps. Ebenfalls wenig erfolgreich war der Versuch, den weit verbreiteten Alkoholismus in der UdSSR durch Verbote in den Griff zu bekommen.cite-ref-6[6]
Unter dem Schlagwort Glasnost (Transparenz) ermöglichte Gorbatschow erstmals in der UdSSR eine freie Debatte und die offene Kritik an der FĂŒhrung und den BeschlĂŒssen der Partei. WĂ€hrend die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl zunĂ€chst noch vertuscht wurde, konkretisierte sich die neue Transparenz im Dezember 1986, als die Verbannung des FriedensnobelpreistrĂ€gers Andrej Sacharow und dessen Frau Jelena Bonner aufgehoben wurde. Im folgenden Jahr bildete sich sehr schnell eine freie Presse, in der kontroverse öffentliche Diskussionen unter intensiver Anteilnahme der Bevölkerung gefĂŒhrt wurden. Die offenen Berichte und Debatten legten viele schockierende MissstĂ€nde in der UdSSR offen. Erstmals wurde das AusmaĂ der Verbrechen wĂ€hrend des Stalinismus deutlich. Aber auch die gravierenden Umweltprobleme und KorruptionsvorwĂŒrfe schockierten die Ăffentlichkeit. Die Debatte entwickelte sich schnell in eine Richtung, die auch die Einparteienherrschaft der KPdSU, das Machtfundament Gorbatschows, in Frage stellte. Die aufgeheizten Debatten und Skandale verunsicherten die Bevölkerung und trugen zum erheblichen Vertrauens- und Ansehensverlust des Staates und der FĂŒhrung der UdSSR bei.cite-ref-7[7]
Ethnische Vielfalt
Die Sowjetunion war, wie das zaristische Russland, ein Vielvölkerstaat und umfasste ca. 120 unterschiedliche NationalitĂ€ten. Die Verfassung der UdSSR sah eine föderale Struktur des Staates vor. Sie bestand aus 15 Teilrepubliken, innerhalb derer wiederum autonome Gebiete existieren. Diese föderale Struktur sollte die verschiedenen Bevölkerungsgruppen bei der GrĂŒndung der UdSSR von der kommunistischen Ordnung ĂŒberzeugen. In der Verfassungswirklichkeit wurde die UdSSR aber, trotz begrenzter Autonomie der Teilrepubliken, zentralistisch vom Zentralkomitee der KPdSU aus Moskau beherrscht. Die Verbrechen Stalins an einzelnen Volksgruppen wurden geheim gehalten und somit deren Aufarbeitung verhindert. Die propagierte sozialistische Völkerfreundschaft konnte die Vorbehalte gegenĂŒber einer russischen Dominanz sowie andere soziale, religiöse oder kulturelle Konflikte zwischen den Volksgruppen nicht lösen, sondern nur ĂŒberdecken.cite-ref-kuhr-korolev-8-0[8]
Zerfall der UdSSR
Ausbruch von ethnischen und nationalen Konflikten
Ein gewaltsam ausgetragener Konflikt zwischen Volksgruppen in der UdSSR ereignete sich bereits im Februar 1988 in Bergkarabach zwischen Armeniern und Aserbaidschanern. Es kam zu ZusammenstöĂen, Vertreibungen und Pogromen mit hunderten Toten. Im Januar 1990 schickte die Moskauer FĂŒhrung die Armee nach Baku, um die AktivitĂ€ten der Aserbaidschanischen Volksfront zu unterbinden. Dabei wurden auch viele Zivilisten getötet oder verletzt.cite-ref-9[9] Es folgten Ă€hnliche Ereignisse in Duschanbe im Februar 1990. Nach dem verheerenden Erdbeben in Armenien im Dezember 1988 kam die Hilfe aus Moskau nur schleppend in Gang, was das Vertrauen in die StaatsfĂŒhrung weiter verringerte.
In Litauen grĂŒndeten im Juni 1988 Intellektuelle eine Bewegung zur UnterstĂŒtzung der Perestroika und RĂŒckbesinnung auf nationale Traditionen. Die Bewegung organisierte im Sommer 1988 eine Protestveranstaltung mit 250.000 Teilnehmern. Die Proteste in den baltischen Republiken gingen als singende Revolution in die Geschichte ein. Die Forderung nach Autonomie wurde von Gorbatschow im November 1988 grob zurĂŒckgewiesen. Damit verspielte Gorbatschow die Möglichkeit, durch ZugestĂ€ndnisse zu einem frĂŒhen Zeitpunkt die Autonomiebestrebungen einzudĂ€mmen.cite-ref-10[10] In den baltischen Staaten sorgte dann auch das Bekanntwerden des Zusatzprotokolls des Hitler-Stalin-Pakts fĂŒr neue Empörung. Am fĂŒnfzigsten Jahrestag des Vertrags im August 1989 protestierten die Menschen friedlich mit einer 600 Kilometer langen Menschenkette von Tallinn ĂŒber Riga nach Vilnius. Die baltischen Republiken Litauen und Estland erklĂ€rten als erste im FrĂŒhjahr 1990 ihre SelbststĂ€ndigkeit.
Auch in anderen Republiken empörte sich die Bevölkerung nach Berichten ĂŒber Umweltprobleme, Korruption oder Verbrechen Stalins, die, teils berechtigt, teils unberechtigt, der zentralen Moskauer FĂŒhrung angelastet wurden. Die einzelnen Völker sahen sich als Opfer einer âsozialistisch imperialistischen Ausbeutungâ.cite-ref-11[11] Lokale FĂŒhrer schĂŒrten diese Vorbehalte zu ihrem eigenen Vorteil.
Auflösung des Ostblocks
Am 25. Oktober 1989 verkĂŒndete GeneralsekretĂ€r Michail Gorbatschow bei einem Staatsbesuch in Helsinki die Sinatra-Doktrin, die den Staaten des Warschauer Pakts erlaubte, ihre inneren Angelegenheiten souverĂ€n und in Eigenregie zu regeln. Bereits vorher hatte er die Ostblockstaaten ermuntert, eigene Reformbestrebungen durchzufĂŒhren. Die Demokratiebewegung in Polen (Runder Tisch (Februar bis April 1989) und freie Parlamentswahlen im Juni 1989), die Ăffnung der Grenzen in Ungarn und schlieĂlich der Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 wurden nicht, wie in den Jahrzehnten davor, verhindert. Im Herbst und Winter 1989 verloren die kommunistischen StaatsfĂŒhrungen in vielen Ostblockstaaten ihr Herrschaftsmonopol. Mit dem Auseinanderbrechen des realsozialistischen StaatenbĂŒndnisses verlor die Sowjetunion ihren FĂŒhrungsanspruch und somit auch ihren Status als GroĂmacht.cite-ref-12[12]
AutoritĂ€tsverlust der FĂŒhrung und erste Abspaltungen
Erste Unruhen fanden schon 1986 in Kasachstan statt. Ab 1989 entglitt der FĂŒhrung der UdSSR zunehmend die Kontrolle ĂŒber das Land. Die Republiken agierten immer selbststĂ€ndiger und separatistische KrĂ€fte gewannen dort die Oberhand.cite-ref-13[13] Zudem verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage weiter, der Staat zahlte die GehĂ€lter der Beamten nur unregelmĂ€Ăig und die KriminalitĂ€t erreichte ein ungekanntes AusmaĂ. Ein Streik von Bergarbeitern zunĂ€chst im Kusbass in Sibirien und im Donezbecken sprang auf alle groĂen Bergbaugebiete der Sowjetunion ĂŒber und bedrohte die Energieversorgung der gesamten Volkswirtschaft.cite-ref-14[14]
Gorbatschow ermöglichte erstmals halbwegs freie Wahlen in der UdSSR. Im Sommer 1987 konnten sich auf regionaler Ebene statt der bisher ĂŒblichen Einheitsliste mehrere Kandidaten zur Wahl stellen. Im FrĂŒhjahr 1989 fand die Wahl zum neu geschaffenen Kongress der Volksdeputierten der UdSSR unter weitgehend freien Bedingungen statt.cite-ref-15[15] Durch die freie Wahl zwischen konkurrierenden Kandidaten wollte Gorbatschow verkrustete Strukturen in der FĂŒhrung aufbrechen und die KPdSU wiederbeleben. Angesichts vieler Skandale und der sich stetig verschlechternden wirtschaftlichen Lage geriet er aber selber sowie das Machtmonopol der KPdSU in die Kritik. Dieses bildete die Machtbasis der sowjetischen FĂŒhrung und Gorbatschow hielt am Alleinvertretungsanspruch der Partei fest. Boris Jelzin entwickelte sich zu einem populĂ€ren Widersacher, der zu weiteren Reformen, insbesondere der Entmachtung der KPdSU, drĂ€ngte, wĂ€hrend Gorbatschow das Reformtempo eher verlangsamen wollte. Er wurde zunehmend zwischen konservativen und reformorientierten KrĂ€ften aufgerieben. Im Februar 1990 wurde das Machtmonopol der Partei abgeschafft und das Regieren wurde fĂŒr Gorbatschow immer schwieriger.cite-ref-16[16]
Im FrĂŒhjahr 1990 fanden in vielen Republiken Wahlen statt. In der gröĂten Republik, der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik (auch RSFSR, heute Russische Föderation) musste Gorbatschow eine herbe Niederlage hinnehmen. In der Folge entwickelte sich eine Doppelherrschaft zwischen dem PrĂ€sidenten des russischen Parlaments Boris Jelzin und Gorbatschow, der seit Februar 1990 StaatsprĂ€sident der UdSSR war.cite-ref-17[17] Auch in anderen Republiken gewannen bei den Wahlen entweder separatistische KrĂ€fte oder FunktionĂ€re der KPdSU, die geschickt nationale KrĂ€fte fĂŒr sich mobilisiert hatten.cite-ref-18[18] Im FrĂŒhjahr 1990 erklĂ€rten die drei baltischen Staaten ihre UnabhĂ€ngigkeit. Im Sommer folgten weitere Regionen der Kaukasusregion. Die Sowjetunion sowie andere Staaten einschlieĂlich des Westens erkannten die UnabhĂ€ngigkeit aber nicht an.
Die Januarereignisse in Vilnius 1991 verĂ€nderten die Situation. Am 13. Januar 1991 versuchten moskautreue KrĂ€fte gewaltsam die Macht in Litauen zu ĂŒbernehmen. Sie scheiterten am Widerstand der Bevölkerung, wobei vierzehn Menschen starben. Schnell entstand eine SolidaritĂ€tsbewegung auch in den anderen Republiken und selbst in Moskau kam es zu einer groĂen Demonstration gegen Gewalt. Die litauische FĂŒhrung hielt am 7. Februar 1991 ein Referendum ĂŒber die UnabhĂ€ngigkeit des Landes ab. Bei einer Wahlbeteiligung von 85 Prozent stimmten 90 Prozent fĂŒr die UnabhĂ€ngigkeit Litauens, die daraufhin auch international anerkannt wurde.cite-ref-19[19] Ăhnliches fand auch in Riga im Januar 1991 oder in Georgien im April 1989 statt.
Verzweifelt versuchte Gorbatschow die Union zusammenzuhalten, deren PrĂ€sident er war. Im ersten und einzigen Referendum in der Geschichte der Sowjetunion am 17. MĂ€rz 1991 ĂŒber den Fortbestand einer reformierten UdSSR sprachen sich noch 76 % der WĂ€hler in neun teilnehmenden Unionsrepublikencite-ref-20[20] fĂŒr den Erhalt der Sowjetunion aus.cite-ref-21[21] Im April begannen Verhandlungen zwischen der Zentralgewalt und den am Referendum beteiligten Republiken. Dabei war Gorbatschow nun zu weitreichenden ZugestĂ€ndnissen bereit und schlug eine föderale Ordnung mit weitreichenden Rechten der Republiken vor.cite-ref-gestwa-21-22-0[22]
Im April 1991 erklĂ€rte Gorbatschow seinen RĂŒcktritt als Chef der KPdSU, widerrief diesen jedoch sofort aus GewissensgrĂŒnden wieder. Gorbatschows auĂenpolitischer Berater Anatolij Tschernjajew hatte ihn gedrĂ€ngt, sich durch einen Parteiaustritt ganz von der KPdSU zu lösen und damit das Machtmonopol der KPdSU in der Sowjetunion zu brechen. RĂŒckblickend erklĂ€rte Gorbatschow, es sei ein Fehler von ihm gewesen, dies nicht getan zu haben.cite-ref-neefgorbatschowsverm-chtnis-23-0[23]
Augustputsch 1991 und Auflösung der UdSSR
Kurz vor der Unterzeichnung des Unionsvertrags lehnten sich konservative KrĂ€fte aus der FĂŒhrung gegen diese ZugestĂ€ndnisse auf. Am 19. August 1991 ĂŒbernahmen Gennadi Janajew sowie einige Mitverschwörer beim Augustputsch die Macht in Moskau und stellten Gorbatschow an seinem Urlaubsort auf der Krim unter Hausarrest. Die Bevölkerung war aber keineswegs bereit, diese konservative Wende hinzunehmen. Es kam zu Massendemonstrationen gegen die Putschisten. Boris Jelzin gelang es, den Widerstand zu organisieren. Der Putsch war schlecht vorbereitet worden. Als die Armee die Putschisten nicht unterstĂŒtzte, brach der Aufstand nach drei Tagen zusammen. Gorbatschow konnte nach Moskau zurĂŒckkehren. Der eigentliche Gewinner war aber Jelzin, hinter dem sich die Bevölkerung in Moskau versammelt hatte.cite-ref-gestwa-21-22-1[22]
Nach dem Putsch musste Gorbatschow dem Verbot der KPdSU zustimmen. Eine Republik nach der anderen trat aus der Union aus. Die SouverĂ€nitĂ€tserklĂ€rungen wurden in Referenden mit groĂer Mehrheit von der Bevölkerung bestĂ€tigt. Ein Weiterbestand der UdSSR wurde immer unwahrscheinlicher, weshalb im Dezember 1991 die FĂŒhrer von Belarus, der Ukraine und Russland in den Belowescher Vereinbarungen die GrĂŒndung der Gemeinschaft unabhĂ€ngiger Staaten (GUS) beschlossen. Am 21. Dezember 1991 unterzeichneten die FĂŒhrer der vormaligen Sowjetrepubliken in Alma-Ata den Vertrag zur Auflösung der UdSSR, in dem auch zahlreiche rechtliche Regelungen wie die Grenzziehung zwischen den neuen unabhĂ€ngigen Staaten getroffen wurden.cite-ref-gestwa-22-24-0[24]
âDer ĂŒberwiegende Teil der Bevölkerung nahm Ende des Jahres 1991 bereitwillig Abschied vom Sowjetimperium. [âŠ] Niemand brauchte die Sowjetunion am Ende mehr. Selbst bei den Russen, dem sowjetischen âReichsvolkâ, hatte sich die Meinung durchgesetzt, dass es angesichts der gegen Moskau gerichteten Ressentiments unter dem Aspekt der nationalen Selbstfindung besser sei, auf das nunmehr als Last empfundene Sowjetimperium zu verzichten und sich auf sich selbst zu konzentrieren.â
â
Klaus Gestwa
Chronologie der UnabhÀngigkeitserklÀrungen ehemaliger Sowjetrepubliken
âą Litauen Litauen: 11. MĂ€rz 1990
âą Estland Estland: 30. MĂ€rz 1990 a
âą Lettland Lettland: 4. Mai 1990 a
âą Armenien Armenien: 23. August 1990
âą Georgien Georgien: 9. April 1991 b
âą Ukraine Ukraine: 24. August 1991
âą Belarus Belarus: 25. August 1991 c
âą Moldau Republik Moldau: 27. August 1991
âą Kirgisistan Kirgisistan: 31. August 1991
âą Usbekistan Usbekistan: 1. September 1991
âą Tadschikistan Tadschikistan: 9. September 1991
âą Aserbaidschan Aserbaidschan: 18. Oktober 1991
âą Turkmenistan Turkmenistan: 27. Oktober 1991
âą Russland Russland: 12. Dezember 1991 d
âą Kasachstan Kasachstan: 16. Dezember 1991
Die provisorischen UnabhÀngigkeitserklÀrungen Estlands und Lettlands traten wÀhrend des
Augustputsches
am 20. bzw. 21. August 1991 endgĂŒltig in Kraft.
Flagge 1990â2004:
Georgien 1990
Flagge 1991â1995:
Belarus 1991
Der Oberste Sowjet der RSFSR ratifizierte an diesem Tag die
Belowescher Vereinbarungen
, setzte den Vertrag zur GrĂŒndung der UdSSR von 1922 auĂer Kraft und berief die russischen Abgeordneten des
Obersten Sowjets der UdSSR
ab. Als einzige ehemalige Sowjetrepublik hat Russland keine UnabhÀngigkeitserklÀrung abgegeben, sondern den Anspruch erhoben,
Rechtsnachfolger
der am 26. Dezember 1991 aufgelösten Sowjetunion zu sein.
Weitere UnabhÀngigkeitserklÀrungen auf dem Gebiet der UdSSR (Staaten nicht oder nur teilweise anerkannt)
⹠Transnistrien Transnistrien: 2. September 1990 (völkerrechtlich Teil Moldaus)
⹠Abchasien Abchasien: 25. August 1991 (völkerrechtlich Teil Georgiens)
⹠Bergkarabach Republik Arzach: 2. September 1991 (bis 2017: Republik Bergkarabach; völkerrechtlich Teil Aserbaidschans)
⹠Itschkerien Tschetschenische Republik Tschetschenische Republik Itschkerien: 1. November 1991 (völkerrechtlich Teil Russlands)
⹠Gagausien Gagausien: 19. November 1991 (völkerrechtlich Teil Moldaus)
âą Sudossetien SĂŒdossetien: 28. November 1991 (völkerrechtlich Teil Georgiens)
Anerkennung der Nachfolgestaaten
Die UnabhĂ€ngigkeitsbestrebungen innerhalb der UdSSR wurden vom Westen nicht gefördert. Eine weitere SchwĂ€chung Gorbatschows entsprach nach 1989 auch nicht den westlichen Interessen,cite-ref-25[25] wo die Auflösung der staatlichen Ordnung eher mit Sorge beobachtet wurde. So wurden die UnabhĂ€ngigkeitserklĂ€rungen der baltischen Republiken erst 1991 anerkannt, nachdem die FĂŒhrung in Moskau diese auch akzeptiert hatte.
Die Schweiz erkannte als erstes westliches Land am 23. Dezember 1991 die Nachfolgestaaten an.cite-ref-26[26] Am Weihnachtstag hielt US-PrĂ€sident George H. W. Bush eine Ansprache, in der er erklĂ€rte, die Vereinigten Staaten âanerkennen und begrĂŒĂen die Entstehung eines freien, unabhĂ€ngigen und demokratischen Russlands, angefĂŒhrt von seinem mutigen PrĂ€sidenten Boris Jelzin. Unsere Botschaft in Moskau bleibt dort als unsere Botschaft in Russland bestehen. Wir werden Russlands Ăbernahme des Sitzes der UdSSR als stĂ€ndiges Mitglied des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen unterstĂŒtzen.â Bush erkannte die internationale SouverĂ€nitĂ€t der Ukraine, von Armenien, Kasachstan, Belarus und Kirgisistan an. Turkmenistan, Usbekistan, Tadschikistan, Aserbaidschan, Georgien und Moldawien wurde die Anerkennung versprochen, sobald sie die Bedingungen der USA anerkannten.cite-ref-27[27]
Duma-Resolution 1996
Am 15. MĂ€rz 1996 verabschiedete die russische Duma eine Resolution, in der die Auflösung der UdSSR (von Russland erklĂ€rt und ratifiziert im Dez. 1991) fĂŒr nichtig erklĂ€rt wurde. Nach heftigen Protesten folgten am 16. April 1996 kleinere Korrekturen, mit denen angemerkt wurde, dass die Resolution vom MĂ€rz 1996 keine rechtlichen Folgen habe und nur eine âstaatsbĂŒrgerliche und politische Positionâ darstelle.cite-ref-ethz-28-0[28]
Folgen des Zerfalls
Unmittelbare Folgen
Die Auflösung der UdSSR im Winter 1991 verlief weitgehend friedlich, da Gorbatschow den Willen der FĂŒhrer der Republiken, insbesondere Jelzins, akzeptierte.cite-ref-1-29-0[29] Allerdings waren die gewaltigen wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen, die schon vorher bestanden, durch die GrĂŒndung der neuen Staaten keineswegs gelöst. Die Rechtsnachfolge der UdSSR trat faktisch die neu entstandene Russische Föderation an.cite-ref-30[30] Zudem ĂŒbernahm sie mit Zustimmung der USA den Sitz der UdSSR im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen. Die Atomwaffen, die sich auĂer in Russland auch in der Ukraine, Belarus und Kasachstan befanden, sollten ursprĂŒnglich von diesen LĂ€ndern gemeinsam kontrolliert werden. Auf amerikanischen Druck hin wurden diese entweder vernichtet oder nach Russland gebracht, da man besorgt war, dass die Waffen in die HĂ€nde von Terroristen gelangen könnten. Ende 1996 verfĂŒgte nur noch die Russische Föderation ĂŒber Atomwaffen.cite-ref-31[31]
Die ethnischen Konflikte innerhalb der UdSSR wurden durch deren Zerfall kaum entschĂ€rft. Innerhalb der Republiken verblieben autonome Regionen, die schnell ebenfalls nach UnabhĂ€ngigkeit strebten. Die Grenzziehungen waren Ergebnis der NationalitĂ€tenpolitik der Sowjetunion und entsprachen nicht unbedingt der ethnischen RealitĂ€t bzw. den historischen Gegebenheiten.cite-ref-vogel-kunze-32-0[32] Die Suche der neuen Staaten nach einer eigenen IdentitĂ€t und Geschichte verschĂ€rfte den Nationalismus in Teilen der Bevölkerung. Zudem lebten viele ethnische Russen auĂerhalb der Russischen Föderation und wurden plötzlich zu einer Minderheit. Zahlreiche ehemalige SowjetbĂŒrger wurden durch die Gesetzgebung zu Staatenlosen ohne gĂŒltigen Pass, da sie die neue StaatsbĂŒrgerschaft nicht erhalten konnten oder wollten.cite-ref-33[33]
Ăkonomisch waren die Staaten der ehemaligen Sowjetunion eng verbunden. Die Versorgung mit Rohstoffen, insbesondere mit Gas und Erdöl, war abhĂ€ngig von Lieferungen zu gĂŒnstigen Preisen unter Weltmarktniveau aus Russland, Kasachstan oder Aserbaidschan. Die Infrastruktur, neben StraĂen und Eisenbahnlinien auch Gas-Pipelines oder Stromtrassen, orientierte sich nicht an den neuen Landesgrenzen. Die Produktion von Konsum- und InvestitionsgĂŒtern war in der UdSSR nach planwirtschaftlichen Prinzipien auf wenige Standorte konzentriert worden, so dass man auch bei der Versorgung der Bevölkerung auf den unkomplizierten Handel zwischen den neuen Staaten angewiesen war. Die Gemeinschaft unabhĂ€ngiger Staaten (GUS) war das Forum, auf dem Probleme im gegenseitigen Einvernehmen gelöst werden sollten, was zumindest in der Anfangsphase auch einigermaĂen gelang.cite-ref-34[34]
Wirtschaftlicher und politischer Transformationsprozess
In Folge des Zusammenbruchs der UdSSR wurde insbesondere in der Russischen Föderation unter der FĂŒhrung von Boris Jelzin, aber auch in der Ukraine die Privatisierung von Staatsbetrieben sehr schnell vorangetrieben. Die Marktwirtschaft wurde in Russland von einem Monat auf den anderen âin Gestalt der neoliberalen Lehre US-amerikanischer PrĂ€gungâcite-ref-hildermeier-35-0[35] eingefĂŒhrt. Von dieser Schocktherapie profitierten allerdings nur einige wenige, die ĂŒber das notwendige ökonomische Wissen und Kapital verfĂŒgten. WĂ€hrend die sogenannten âOligarchenâ in kurzer Zeit riesige Vermögen aufbauten, litt der GroĂteil der Bevölkerung unter steigenden Preisen, niedrigen Löhnen bzw. Renten und Arbeitslosigkeit. In den 1990er-Jahren gerieten alle Nachfolgestaaten der UdSSR, wie andere Staaten des ehemaligen Ostblocks auch, in eine tiefe wirtschaftliche und gesellschaftliche Krise.cite-ref-36[36]
In Russland ging die gesamtwirtschaftliche Produktion von 1990 bis 1996 Jahr fĂŒr Jahr zurĂŒck. In diesem Zeitraum verringerte sich das russische Bruttoinlandsprodukt (BIP) insgesamt um etwa 40 % und nahm dann ab 1999 jĂ€hrlich zwischen 5 und 10 % zu. Noch im Jahr 2010 lag die russische Industrieproduktion laut Statistikamt bei nur 83,8 % des Niveaus von 1991 â im Fahrzeugbau lag der AusstoĂ sogar nur bei 49,6 %.cite-ref-37[37] In Kirgisistan sprechen vorsichtige SchĂ€tzungen von einem Anstieg der Armut auf ĂŒber 75 % im Jahr 1993 bei einem RĂŒckgang des BIP von 21 %. Auch 1997 lebten noch 50 % der kirgisischen Bevölkerung in Armut.cite-ref-38[38] Die Lebenserwartung in Russland, aber auch in vielen anderen Nachfolgestaaten sank zwischen 1991 und 1994 von 69 auf weniger als 64 Jahre; einige Jahre starben mehr Menschen, als neu geboren wurden. Besonders der Gesundheitszustand von MĂ€nnern verschlechterte sich â sie konnten Mitte der 1990er-Jahre lediglich mit einer durchschnittlichen Lebenszeit von 58 Jahren rechnen. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts lag die Lebenserwartung mit 62,8 Jahren noch immer niedriger als in Bangladesch.cite-ref-39[39]
In allen Nachfolgestaaten der Sowjetunion waren die staatlichen Organe schwach und mussten neu aufgebaut werden. Die KriminalitĂ€t und auch rassistisch motivierte Gewalt stieg rasant an. Es bildeten sich vielerorts mafiöse Strukturen. Die neuen FĂŒhrungseliten in Politik und Wirtschaft entstammten in vielen Nachfolgestaaten den alten Parteikadern bzw. der Leitung ehemaliger Staatsbetriebe. Diese KontinuitĂ€t reicht, so Stefan Meister und Andrej Subow, bis in die Gegenwart (die 2020er Jahre), da in Russland immer noch ein groĂer Teil der Eliten Wurzeln in der sowjetischen Nomenklatura hat.cite-ref-subow2022-40-0[40]cite-ref-schwachegesellschaften-41-0[41]cite-ref-42[42]
Die Verfassung der Russischen Föderation, die im Dezember 1993 unter Boris Jelzin verabschiedet wurde, sah neben einem starken PrĂ€sidenten demokratische Freiheitsrechte sowie die Gewaltenteilung zwischen PrĂ€sident, Parlament und Justiz vor.cite-ref-hildermeier-35-1[35] Der Aufbau demokratischer Strukturen und einer unabhĂ€ngigen Justiz geriet jedoch sehr bald angesichts der zahlreichen Probleme ins Stocken. In der zweiten HĂ€lfte der 1990er-Jahre bildeten sich in Russland autoritĂ€re Strukturen heraus und die Entwicklung einer am Westen orientierten demokratischen Zivilgesellschaft wurde mit dem Machtantritt Putins, spĂ€testens aber seit 2010, unterbunden.cite-ref-hildermeier-35-2[35] Nur in den drei baltischen Staaten, die sich seit ihrer GrĂŒndung strikt nach Westen hin orientierten und die Aufnahme in die NATO und EuropĂ€ische Union anstrebten, entwickelten sich stabile demokratische Strukturen.cite-ref-vogel-kunze-32-1[32]
Konflikte in und seit den 1990er-Jahren
Bereits 1990 brach in der Sowjetrepublik Moldau der Transnistrien-Konflikt aus. Mit der Abschaffung des Russischen als zweite Amtssprache durch die Regierung Moldaus eskalierte der Konflikt zu einer militĂ€rischen Auseinandersetzung, in die auch Russland eingriff, weil es sich als Schutzmacht fĂŒr die russischsprachige Minderheit dort verstand. Der Konflikt fĂŒhrte 1992 zur faktischen Abspaltung von Transnistrien, die aber von Moldau bisher nicht akzeptiert wurde. Der Konflikt gilt seither als âeingefrorenâ.cite-ref-43[43]
Ăhnlich ungelöst blieben auch die meisten Konflikte in der Kaukasusregion. Der Konflikt um Bergkarabach wurde von 1992 bis 1994 und erneut 2020 sowie 2023 mit militĂ€rischen Mitteln ausgetragen. Im Jahr 2023 kapitulierte die Republik Arzach letztlich im Angesicht der aserbaidschanischen Offensive, und die nahezu gesamte armenische Bevölkerung Bergkarabachs floh nach Armenien.cite-ref-44[44] Hierdurch wurde die Region innerhalb weniger Tage gröĂtenteils entvölkert. Zum 1. Januar 2024 soll der seit dem UnabhĂ€ngigkeitskonflikt Anfang der 1990er Jahre bestehende De-facto-Staat Arzach aufgelöst werden.cite-ref-45[45]
Auch in Georgien entwickelten sich ethnische Spannungen zu Kriegen und Abspaltungen. In SĂŒdossetien kam es 1992 zu militĂ€rischen Auseinandersetzungen, in die auch Russland eingriff, was zur Abspaltung dieser Region fĂŒhrte. Um die Region Abchasien wurde von 1992 bis 1994 gekĂ€mpft. Beide Konflikte flammten im Sommer 2008 erneut auf und konnten trotz einiger BemĂŒhungen bisher nicht gelöst werden. In Tadschikistan wurde von 1992 bis 1997 ein BĂŒrgerkrieg ausgetragen.cite-ref-46[46]
In der an Georgien angrenzenden, zu Russland gehörenden autonomen Region Tschetschenien gab es bereits seit 1991 Versuche, sich von Russland zu lösen. Der gescheiterte Versuch, dort durch einen Putsch einen pro-russischen Politiker zu etablieren, fĂŒhrte zum ersten Tschetschenienkrieg von 1994 bis 1996. Der Krieg war fĂŒr beide Seiten sehr verlustreich und offenbarte die SchwĂ€che der russischen Armee. Im 1996 geschlossenen Friedensvertrag konnten die Rebellen zwar keine UnabhĂ€ngigkeit von Russland erreichen, wurden aber quasi als Regierung anerkannt. In der Folge fĂŒhrten sie die Scharia und ein islamistisches Regime ein. Tschetschenische Islamisten verĂŒbten in den folgenden Jahren TerroranschlĂ€ge, was schlieĂlich zum zweiten Tschetschenienkrieg von 1999 bis 2009 fĂŒhrte. In diesem gelang es Russland wieder, die Kontrolle ĂŒber die Region zu erlangen, wobei den lokalen Machthabern nach wie vor zahlreiche Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden.cite-ref-47[47]
Bewertung
Staaten der ehemaligen Sowjetunion
Gorbatschow blieb zeitlebens der Ăberzeugung, dass die Sowjetunion nach dem Putsch im Jahr 1991 noch zu retten gewesen wĂ€re.cite-ref-neefgorbatschowsverm-chtnis-23-1[23] In seinen Erinnerungen machte er vor allem Boris Jelzin fĂŒr sein Scheitern verantwortlich.cite-ref-1-29-1[29] WĂ€hrend er im Westen weiterhin sehr beliebt war, wurde Gorbatschow in den Staaten der ehemaligen Sowjetunion hĂ€ufig angefeindet und fĂŒr deren Scheitern sowie die katastrophalen VerhĂ€ltnisse am Ende seiner Amtszeit und den folgenden Jahren verantwortlich gemacht.cite-ref-48[48] Als er 1996 bei der Wahl des russischen PrĂ€sidenten gegen Boris Jelzin kandidierte, erhielt er weit abgeschlagen gerade einmal 0,5 Prozent der Stimmen.cite-ref-49[49]
In einer viel zitierten Rede hat Wladimir Putin den Zerfall der Sowjetunion 2004 als âgesamtnationale Tragödie von gewaltigen AusmaĂenâ und ein Jahr spĂ€ter in einer Rede an die Nation als âdie gröĂte geopolitische Katastrophe des 20. Jahrhundertsâ bezeichnet.cite-ref-schattenberg-4-1[4] Das Zitat sagt allerdings mehr ĂŒber die politischen Ziele Putins zu Beginn des neuen Jahrtausends aus als ĂŒber die Vergangenheit. Mit einer RĂŒckbesinnung auf die StĂ€rke der Weltmacht UdSSR verabschiedet sich Russland zunehmend vom westlichen Demokratiemodell.cite-ref-50[50] Indem Freiheiten und Verfassungsrechte im Sinne eines vermeintlich âeigenen Wegesâ eingeschrĂ€nkt werden, greift die russische FĂŒhrung auch auf Praktiken der Sowjetzeit zurĂŒck. Deshalb wird âdie nationale Idee immer intensiver an alten sowjetischen Mythen ĂŒber die erfolgreiche stalinistische Modernisierung oder die Umwandlung des Landes in eine Supermacht ausgerichtet.âcite-ref-scherbakowa-51-0[51]
Trotzdem konnte Putin sich der Zustimmung in groĂen Teilen der Bevölkerung Russlands und anderer postsowjetischer Staaten sicher sein. Die Wehmut ĂŒber den Verlust der Sowjetunion war in den 1990er-Jahren in Russland kontinuierlich gestiegen. Sie erreichte zu Beginn der 2000er-Jahre einen Höhepunkt von 70 Prozent Zustimmung, sank aber ab Mitte der 2000er-Jahre wieder etwas und lag in den Jahren 2011/12 unter 50 %.cite-ref-52[52] Die katastrophale wirtschaftliche Situation, die politischen Konflikte und die Verunsicherung der Bevölkerung in den 1990er-Jahren haben zur VerklĂ€rung der Vergangenheit beigetragen. Susanne Schattenberg stellt in einem Aufsatz aus dem Jahr 2011 fest:
âNicht nur in Russland wird der Zerfall des Imperiums als Verlust von geostrategischer GröĂe, IdentitĂ€t, FreizĂŒgigkeit, Sprachgemeinschaft und Völkerfamilie empfunden. Es scheint, als lieĂe sich die stets angezweifelte Existenz des homo sovieticus doch nachweisen, zumindest postum und ex negativo. In Zentralasien, aber auch in Armenien oder im Altai-Gebiet beklagen Menschen, dass sie mit wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Problemen auf den nationalen oder regionalen Rahmen verwiesen sind, sich marginalisiert und von der Weltgeschichte abgekoppelt fĂŒhlen. Auch wenn aus der RĂŒckschau die Welt immer rosiger erscheint, als sie war, gibt dieser Phantomschmerz doch wichtige Hinweise auf die Art der StabilitĂ€t der Sowjetunion.âcite-ref-schattenberg-4-2[4]
Die Sowjetunion ist auch 30 Jahre nach ihrem Zerfall im Bewusstsein der Bevölkerung prĂ€sent. In einem Aufsatz aus dem Jahr 2021 zum â(Post-)Sowjetischen als politischer und identitĂ€tsrelevanter Ressourceâ stellt Maike Lehmann fest:
âMittlerweile ist eine ganze Generation ohne eigene Erfahrung mit dem Staatsozialismus aufgewachsen. Doch die Sowjetunion bleibt prĂ€sent. Denn auch die Nachgeborenen, nicht nur ihre vor 1991 aufgewachsenen Eltern und GroĂeltern, wurden durch die Sowjetunion und ihren Zusammenbruch geprĂ€gt. So halten sich positive Bezugnahmen etwa auf die entscheidende Rolle der Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg, auf die Breschnew-Zeit oder gar auf Stalin als erfolgreichen Manager der sowjetischen Modernisierung.âcite-ref-53[53]
Eine kritische Auseinandersetzung mit den Verbrechen, die von den FĂŒhrern der Sowjetunion verĂŒbt worden sind, hat bis heute in Russland kaum stattgefunden. In der Phase der Auflösung der UdSSR Ende der 1980er-, Anfang der 1990er-Jahre wurde zwar damit begonnen, allerdings vor allem in den sich abspaltenden sowjetischen Republiken. Dort wurde Russland, so Irina Scherbakowa, aber einseitig zum âTĂ€terlandâ erklĂ€rt:
âIn diesen neuen Nationalstaaten entstanden Formen der historischen und politischen Reflexion, die es ermöglichten, die âeigenenâ Leiden ausschlieĂlich als Ergebnis âfremdenâ bösen Willens darzustellen. Wenn das eigene Volk nur Opfer war, der Nachbar der TĂ€ter, gab es politisch wie gesellschaftlich nichts zu verantworten. In Russland lehnten viele die, wie es ihnen erschien, aufgezwungenen SchuldgefĂŒhle ab. Viele waren und sind bis heute daher nicht in der Lage, den Grad der historischen Verantwortung der Sowjetunion gegenĂŒber den NachbarlĂ€ndern Russlands anzuerkennen. Auch das Bewusstsein ĂŒber das AusmaĂ der Katastrophe, die Russland selbst ereilt hat, ist unterentwickelt. Die Frage nach der historischen Verantwortung blieb ungelöst, und es gab keinen Druck mehr von gesellschaftlicher Seite, die kommunistische Herrschaft aufzuarbeiten. Die historischen Rollen Lenins, Stalins und ihrer Mitstreiter blieben ohne Urteil, es gab keine Entscheidungen des Parlaments zu diesen Fragen. Der sogenannte Prozess gegen die Kommunistische Partei der Sowjetunion, der 1992, mitten in der Wirtschaftskrise, begann, endete de facto ohne Ergebnis. Es gab keine Durchleuchtung und keine echte Reform der Staatssicherheitsorgane, geschweige denn Lustrationen.âcite-ref-scherbakowa-51-1[51]
Westliche Welt
Der Kapitalismus und die liberale, westliche Demokratie schien nach dem Zusammenbruch des Ostblocks ohne Alternative zu sein und sich durchgesetzt zu haben. In einer viel beachteten, aber umstrittenen Rede sprach der US-amerikanische Politikwissenschaftler Francis Fukuyama 1989 vom Ende der Geschichte. Er meinte damit, dass mit dem Sieg der Demokratie als Ordnungsmodell der Antrieb fĂŒr die Geschichte (im Sinne von VerĂ€nderungen) entfalle.cite-ref-54[54] Der Umbruch von 1989 bis 1991 wurde von den Zeitgenossen als Epochenwende wahrgenommen und fĂŒhrte in ganz Europa zu einer âPhase des Aufbruchs und groĂen Zukunftsoptimismusâ.cite-ref-kuhr-korolev-8-1[8] Fast selbstverstĂ€ndlich gingen viele davon aus, dass sich neben einem kapitalistischen Wirtschaftssystem auch Menschenrechte, Gewaltenteilung, die Herrschaft des Rechts sowie die VolkssouverĂ€nitĂ€t in Form einer reprĂ€sentativen Demokratie in den ehemaligen Staaten des Ostblocks durchsetzen wĂŒrden.cite-ref-winkler-55-0[55]
Die Reformpolitik Gorbatschows hatte im Westen im politisch links eingestellten Milieu und der Friedensbewegung Begeisterung ausgelöst. Der Zerfall der Sowjetunion und die politische Entwicklung in den anderen Staaten des ehemaligen Ostblocks wurde mit EnttÀuschung zur Kenntnis genommen, da auch die Idee eines reformierten Sozialismus dort keine Mehrheit in der Bevölkerung fand. Die Hoffnung auf eine friedliche Welt ohne Krieg und Waffen stellte sich ebenfalls schnell als Illusion heraus. Formen des Patriotismus bzw. Nationalismus sowie die Nationalstaatsidee erlebten in Deutschland und im ehemaligen Ostblock eine Renaissance. Seine zerstörerische Kraft zeigte sich bald auf dem Balkan beim Zerfall Jugoslawiens.cite-ref-winkler-55-1[55]
Im konservativen Milieu sah man das kapitalistische System bzw. die USA als die âSiegerâ des Kalten Krieges. Der Zerfall der Sowjetunion wurde vielfach als Folge der Politik der StĂ€rke unter US-PrĂ€sident Ronald Reagan gesehen.cite-ref-56[56] Auch die AnhĂ€nger einer neoliberalen Wirtschaftspolitik, wie sie seit den 1980er Jahren vor allem in GroĂbritannien und den USA betrieben wurde, sahen sich durch das offensichtliche Scheitern des sozialistischen Wirtschaftssystems bestĂ€tigt.cite-ref-57[57]
Historische Forschung
Trotz der historischen Bedeutung ist zum Zusammenbruch der Sowjetunion bisher wenig geforscht worden, beklagen sowohl Susanne Schattenberg (2011)cite-ref-schattenberg-4-3[4] als auch Corinna Kuhr-Korolev (2021).cite-ref-kuhr-korolev-8-2[8] Die politische Brisanz des Themas und die emotionale Verbundenheit insbesondere bei Forschenden aus der ehemaligen Sowjetunion erschweren eine objektive Auseinandersetzung.
In der Forschung gibt es kontrĂ€re Positionen zu den Ursachen des Zerfalls der UdSSR. Die eine geht davon aus, dass die Sowjetunion wirtschaftlich, gesellschaftlich und politisch am Ende war und sich dadurch selber delegitimierte. Der Zusammenbruch war die âgesetzmĂ€Ăige Folgeâcite-ref-schattenberg-4-4[4] dieser Krise.
âJe nach Standpunkt rĂŒcken Autoren die Kosten der RĂŒstungsindustrie, den fallenden Ălpreis oder die ineffektive Planwirtschaft in den Vordergrund. Andere betonen die ErmĂŒdungserscheinungen der Gesellschaft, die fehlende Bindungskraft des Sozialismus als Staatsideologie, den Wunsch nach bĂŒrgerlichen Freiheiten und den wachsenden Konsumbedarf der Bevölkerung. Auch ein social overstretch (eine kumulative Gerechtigkeitskrise) oder ein imperial overstretch (Probleme beim Zusammenhalten eines multinationalen Imperiums) können im Mittelpunkt der Betrachtung stehen. Das Scheitern wird in der Regel einerseits auf die Konzeptlosigkeit und die fehlende Entschlossenheit der Reformer sowie auf die Beharrungskraft von Strukturen und MentalitĂ€ten und andererseits auf die Brisanz lange unterdrĂŒckter KrĂ€fte zurĂŒckgefĂŒhrt.âcite-ref-kuhr-korolev-8-3[8]
Diesen Forschungsergebnissen ist widersprochen worden. Die Sowjetunion habe zwar ihre SchwĂ€chen gehabt, das System selber sei aber stabil gewesen. Erst die Reformen Gorbatschows hĂ€tten das System derart erschĂŒttert, dass es kollabierte.
âKotkin rekapituliert in seinem 2001 verfassten Essay âArmageddon Avertedâ die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen sowie die Ambitionen Gorbatschows und kommt zu einer âSelbstmordtheseâ. Seiner Meinung nach hĂ€tte das System weiterbestehen können, wĂ€re nicht Gorbatschow aus tiefer ideologischer Ăberzeugung der Meinung gewesen, das Land zu einem Sozialismus im Geiste Lenins zurĂŒckfĂŒhren zu mĂŒssen. Indem die sowjetische FĂŒhrungselite ihrem eigenen Projekt das Vertrauen entzogen habe, sei die sowjetische Ordnung implodiert.âcite-ref-kuhr-korolev-8-4[8]
Auch der Historiker Wladislaw Subok kommt 2021 in seiner Studie ĂŒber den Zerfall der Sowjetunion zum Schluss, Gorbatschows Reformen hĂ€tten zur Zerstörung der bestehenden Wirtschaft gefĂŒhrt und er sei nicht in der Lage gewesen, seine Fehler zu erkennen und seinen Kurs zu korrigieren.cite-ref-58[58]
âEs ist schwer, ein Beispiel oder eine Metapher zu finden, die das Handeln der Gorbatschow-FĂŒhrung im Jahr 1989 beschreibt. Man denke an den KapitĂ€n eines groĂen Schiffes, der plötzlich beschlieĂt, in ein fernes gelobtes Land zu segeln. Er tut dies gegen die Stimmung und die Instinkte seiner Mannschaft. Er und seine Gefolgsleute haben keine Karte, ihr Kompass ist kaputt. Sie haben den Eindruck, dass ihr Schiff nach Westen segelt, wĂ€hrend es in Wirklichkeit nach SĂŒden fĂ€hrt. Als die Reise immer schwieriger wird, beschlieĂt der KapitĂ€n, dass seine Mannschaft unzuverlĂ€ssige Saboteure sind. Also wendet er sich an unerfahrene Passagiere, die sich an der Reise beteiligen wollen, und lĂ€sst sie untereinander beraten, wie sie das Gelobte Land am besten erreichen können.â
â
Wladislaw M. Subok
Die Rolle von US-PrĂ€sident Ronald Reagan beim Zusammenbruch der Sowjetunion wurde in der US-amerikanischen Forschung kontrovers diskutiert. Seit den 1990er Jahren ist die These verbreitet, die militĂ€rische AufrĂŒstung und das SDI-Programm der Reagan-Regierung hĂ€tten die Sowjetunion in einen ruinösen RĂŒstungswettlauf gezwungen. Dieser habe die Sowjetunion an den Rand des Bankrotts gebracht und so Gorbatschow dazu genötigt, sich auf AbrĂŒstungsverhandlungen und eine Demokratisierung einzulassen, was letztendlich auch zum Zusammenbruch der Sowjetunion gefĂŒhrt habe.cite-ref-60[60] William Inboden schrieb in seiner 2022 erschienenen Reagan-Biografie, dessen Strategie habe die Sowjetunion âan den Rand einer ausgehandelten Kapitulationâ gebracht.cite-ref-61[61]
Beth A. Fischer kritisierte die These des âTriumphalismusâ und wandte dagegen ein, diese wĂŒrde sowjetische Quellen und die Forschung zu den Motiven der sowjetische Entscheidungsfindung weitgehend ignorieren. Der Ursprung der Politik des âNeuen Denkensâ von Gorbatschow ging auf Reformbewegungen in der Sowjetunion in den 1970ern zurĂŒck, die RĂŒstungsausgaben der Sowjetunion hĂ€tten sich wĂ€hrend der 1980er nicht erhöht und Reagan hatte in seiner zweiten Amtszeit Abstand von seinem konfrontativen Kurs genommen und versuchte mit Moskau ĂŒber eine Verbesserung der Beziehungen und AbrĂŒstung ins GesprĂ€ch zu kommen. Zudem wĂŒrden BefĂŒrworter der These hĂ€ufig das Ende des Kalten Kriegs und den Zerfall der Sowjetunion gleichsetzen. Beides seien unterschiedliche Prozesse.cite-ref-62[62]
Auch Melvyn P. Leffler argumentierte, Reagans AufrĂŒstungspolitik und das SDI-Programm hĂ€tten keine entscheidenden Auswirkungen auf die sowjetische Entscheidungsfindung und das Ende des Kalten Kriegs gehabt. Ăhnlich wĂŒrden renommierte, auf die Sowjetunion spezialisierte Historiker und Politikwissenschaftler wie Mark Kramer, Wladislaw Subok oder Archie Brown argumentieren.cite-ref-63[63] Wladislaw Subok ergĂ€nzte, der westliche Faktor bei den Reformen und dem Zusammenbruch der Sowjetunion sei zentral gewesen, jedoch nicht aufgrund von Reagans Politik, sondern weil das westliche Modell Vorbild fĂŒr KrĂ€fte gewesen sei, die das sowjetische System beseitigen wollten.cite-ref-64[64]
Eine weitere populĂ€re These lautet, der Afghanistankrieg habe zum Bankrott der Sowjetunion gefĂŒhrt und damit erheblich zu ihrem Untergang beigetragen. Der Historiker Sergey Radchenko schrieb, fĂŒr diese These gebe es keine Belege. TatsĂ€chlich waren die Kosten des Kriegs im VerhĂ€ltnis zum gesamten MilitĂ€rbudget begrenzt und die Kontrolle der Partei ĂŒber die Presse sorgte dafĂŒr, dass in der Ăffentlichkeit wenig ĂŒber die Verluste (Verletzte und Tote) bekannt wurde.cite-ref-65[65] In den Studien zum Zerfall der Sowjetunion von Stephen Kotkin und Wladislaw Subok wird der Afghanistankrieg als mögliche Ursache dafĂŒr nicht thematisiert.cite-ref-66[66]
Siehe auch
Literatur
âą Swetlana Alexijewitsch: Secondhand-Zeit. Leben auf den TrĂŒmmern des Sozialismus. MĂŒnchen 2013.
âą Michael Dobbs: Down with Big Brother. The Fall of the Soviet Empire. Vintage Books, New York 1998, ISBN 0-307-77316-7 (englisch).
âą Klaus Gestwa: Von der Perestroika zur Katastroika â Michail Gorbatschow und der Zerfall des Sowjetimperiums. In: Einsichten und Perspektiven Heft 1 (2016), S. 16â33, (Teil 1) und Einsichten und Perspektiven Heft 2 (2016) S. 4â25, (Teil 2). Hrsg. v. Bayerischen Landeszentrale fĂŒr politische Bildung.
âą Stephen Kotkin: Armageddon Averted. The Soviet Collapse, 1970â2000. Oxford University Press, New York 2008, ISBN 978-0-19-536863-5 (englisch).
âą Corinna Kuhr-Korolev: Perestroika und das Ende der Sowjetunion. Ein kontroverser Blick zurĂŒck. Version: 1.0. In: Docupedia-Zeitgeschichte. 9. Februar 2021, abgerufen am 30. Dezember 2021. doi:10.14765/zzf.dok-2119.
âą Reinhard Lauterbach: Das lange Sterben der Sowjetunion. Schicksalsjahre 1985â1999, edition berolina, Berlin 2016, ISBN 978-3-95841-031-2.
âą Christoph MeiĂner, Jörg MorrĂ© (Hrsg.): The Withdrawal of Soviet Troops from East Central Europe. National Perspectives in Comparison, Göttingen 2021, ISBN 978-3-525-31127-1 (englisch).
âą Martin Malek, Anna Schor-Tschudnowskaja (Hrsg.): Der Zerfall der Sowjetunion. Ursachen â Begleiterscheinungen â HintergrĂŒnde. Nomos Verlag, Baden-Baden 2013, ISBN 978-3-8329-6320-0.
âą Chris Miller: The Struggle to Save the Soviet Economy. Mikhail Gorbachev and the Collapse of the USSR. The University of North Carolina Press, Chapel Hill 2016, ISBN 978-1-4696-3017-5 (englisch).
âą Nach dem Ende der Sowjetunion. In: Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ) Heft 49-50 2011 Hrsg. von der Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung.
âą David Remnick: Leninâs Tomb. The Last Days of the Soviet Empire. Vintage Books, New York 1994, ISBN 0-679-75125-4 (englisch, ausgezeichnet mit dem Pulitzer-Preis 1994).
âą Sowjetunion. In: Aus Politik und Zeitgeschichte. Heft 16/2021 Hrsg. von der Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung.
âą Dmitri Antonowitsch Wolkogonow: Die Sieben FĂŒhrer. Aufstieg und Untergang des Sowjetreichs. Ăbersetzt von Udo Rennert. SocietĂ€ts-Verlag, Frankfurt am Main 2001, ISBN 3-7973-0774-8.
âą Martin Sabrow, Susanne Schattenberg (Hrsg.): Die letzten GeneralsekretĂ€re. Kommunistische Herrschaft im SpĂ€tsozialismus. Links Verlag. Berlin 2018, ISBN 978-3-96289-028-5. (Auch als Sonderausgabe bei der Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung erhĂ€ltlich).cite-ref-67[67]
âą Serhii Plokhy: The Last Empire. The Final Days of the Soviet Union. Oneworld, London 2015, ISBN 978-1-78074-646-3 (englisch, ausgezeichnet mit dem Lionel Gelber Prize).
Weblinks
Commons
: Zerfall der Sowjetunion
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
âą 100(0) SchlĂŒsseldokumente Ansprache an die SowjetbĂŒrger. Rede des StaatsprĂ€sidenten der UdSSR im Fernsehen, 25. Dezember 1991
âą ARD Tagesschau: 25. Dezember 1991 auf YouTube.
Einzelnachweise
cite-note-11. Hinsichtlich der Figur des Fortsetzerstaates spricht sich Theodor Schweisfurth gegen eine SubjektsidentitĂ€t der Russischen Föderation mit der UdSSR aus; der Fortsetzerstaat sei âkein aliud gegenĂŒber Nachfolgestaat, sondern eine Bezeichnung fĂŒr einen Nachfolgestaat sui generis.â Schweisfurth, Immobiliareigentum der UdSSR in Deutschland. Völkerrechtliche und grundbuchrechtliche Fragen der Staatensukzession, in: Zeitschrift fĂŒr Vermögens- und Immobilienrecht (VIZ) 1998, S. 57 ff., hier S. 58 Fn. 5.
cite-note-22. â Klaus Gestwa: Von der Perestroika zur Katastroika, Teil 1, S. 28 f.
cite-note-33. â Susanne Schattenberg: Das Ende der Sowjetunion in der Histiographie. In: Aus Politik und Zeitgeschichte. Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung, 30. November 2011, S. Anmerkung 17, das Zitat stammt von Gorbatschow, abgerufen am 2. Januar 2022.
cite-note-schattenberg-44. â Susanne Schattenberg: Das Ende der Sowjetunion in der Historiogaphie. In: Aus Politik und Zeitgeschichte. Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung, 30. November 2011, abgerufen am 14. April 2022.
cite-note-55. â D. A. Wolkogonow: Die Sieben FĂŒhrer. Aufstieg und Untergang des Sowjetreichs. Ăbersetzt von Udo Rennert. SocietĂ€ts-Verlag, Frankfurt am Main 2001, S. 471.
cite-note-66. â Klaus Gestwa: Von der Perestroika zur Katastroika, Teil 1, S. 27f.
cite-note-77. â Klaus Gestwa: Von der Perestroika zur Katastroika, Teil 2, S. 5ff.
cite-note-kuhr-korolev-88. â Corinna Kuhr-Korolev: Perestroika und das Ende der Sowjetunion. Ein kontroverser Blick zurĂŒck. Version: 1.0. In: Docupedia-Zeitgeschichte. 9. Februar 2021, abgerufen am 30. Dezember 2021. doi:10.14765/zzf.dok-2119.
cite-note-99. â Corinna Kuhr-Korolev: Perestroika und das Ende der Sowjetunion, Abschnitt 4.
cite-note-1010. â Klaus Gestwa: Von der Perestroika zur Katastroika, Teil 2, S. 19.
cite-note-1111. â Klaus Gestwa: Von der Perestroika zur Katastroika, Teil 2, S. 15.
cite-note-1212. â Corinna Kuhr-Korolev: Perestroika und das Ende der Sowjetunion. Ein kontroverser Blick zurĂŒck, Version: 1.0. In: Docupedia-Zeitgeschichte. 9. Februar 2021, abgerufen am 30. Dezember 2021. doi:10.14765/zzf.dok-2119. Hier Abschnitt: Neuorientierung der AuĂenpolitik.
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